Rose Ausländer

ROSE AUSLÄNDER warum ich schreibe? Weil Wörter mir diktieren: schreib uns. Sie wollen verbunden sein, Verbündete. Wort mit Wort mit Wort.

Rosalie Beatrice Scherzer wurde am 11. Mai 1901 in Czernowitz/Bukowina, damals Österreich geboren. Ihr Vater wurde jüdisch-orthodox erzogen, studierte beim “Wunderrabbi in Sadagora” (sie schrieb davon in ihren Gedichten: “Der Vater”, “Der Sadagorer Chassid”..).
Da Czernowitz während des ersten Weltkrieges von den Russen besetzt war, floh die Familie zu Verwandten, zuerst nach Budapest und dann nach Wien. Nach dem Krieg müssen sie sich sofort entscheiden zu bleiben oder zurück zu gehen. Der Vater sieht die materielle Existenz nur in Czernowitz gesichert und entschließt sich zur Rückkehr. Er verstarb früh im Jahre 1920, (Max, Roses Bruder schrieb in einem Brief 1982: “Was den Tod meines Vaters betrifft und soviel ich mich nach solanger Zeit erinnern kann, so war mein Vater so kaisertreu, daß er den Verfall der österreichisch-ungarischen Monarchie nicht verschmerzen konnte und einige Zeit nach dem Weltkrieg starb.”) Nach dem Tod des Vaters konnte die Mutter die Familie nicht mehr ernähren. 1921 geht Rose mit ihrem Studienkollegen und späteren Mann Ignaz Ausländer (die Ehe dauerte 4 Jahre) in die USA. Die gewählte Lösung, die Auswanderung der ältesten Tochter, wurde vermutlich dadurch akzeptabel, dass in jenen Jahren viele Juden die Bukowina verließen und in die USA auswanderten. 1931 kehte sie zurück, der Gesundheitszustand ihrer Mutter hatte sich so verschlechtert, daß sie andauernde Pflege benötigte.

Rose Ausländer: “Czernowitz 1941. Nazis besetzen die Stadt, blieben bis zum Frühjahr 1944. Getto, Elend, Horror, Todestransporte. In jenen Jahren trafen wir Freunde uns zuweilen heimlich, oft unter Lebensgefahr, um – Gedichte zu lesen. Der unerträglichen Realität gegenüber gab es zwei Verhaltensweisen: entweder man gab sich der Verzweiflung preis, oder man übersiedelte in eine andere Wirklichkeit, die geistige. Wir zum Tode verurteilten Juden waren unsagbar trostbedürftig. Und während wir den Tod erwarteten, wohnten manche von uns in Traumworten – unser traumatisches Heim in der Heimatlosigkeit. Schreiben war Leben, Überleben.” (In dieser Zeit lernte Sie auch Paul Celan kennen)

1946 Ausreise in die USA, 1947 stirbt ihre Mutter (“Meine Nachtigall”, so eines ihrer Gedichte), von 1949-1956 schreibt sie ihre Gedichte nur in englischer Sprache. Bis 1968 “pendelt” sie zwischen USA und Europa hin und her, mit immer längeren Aufenthalten in Europa. 1972 endgültiger Einzug ins Nelly-Sachs-Haus, das Altenheim der jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

Rose Ausländer: “Wenn ich verzweifelt bin / schreibe ich Gedichte / Bin ich fröhlich / schreiben sich Gedichte in mich.” Sie schrieb im Kellerversteck, im Exil; schließlich in der Isolation des Kranken- und Sterbezimmers im Altenheim. 1978-1988 Bettlägerig, gestorben am 3. 1. 1988.

Um nur einge ihrer vielen Preise zu nennen,
1967 Droste-Preis der Stadt Meersburg 1980 Roswitha-Medaille der Stadt Bad Gandersheim 1984 Literaturpreis der Bayrischen Akademie der schönen Künste