SOLO FÜR EINE STIMME

…Ein in vieler Hinsicht außergewöhnlicher Theaterabend: eine sich fröhlich betrinkende Frau, die ganz normal wirken würde, säße sie nicht angezogen in der Badewanne; ein Text, der unsentimental und packend ein Leben beschreibt; und eine Schauspielerin, die auf bravouröse Weise zeigt, dass Witz und Trauer oft nur zwei Seiten der selben Medaille sind – nämlich Versuche, einen tiefen Schmerz zu bewältigen…

 

“Gestern sind die Leute vom Fernsehen gekommen. Ich wartete schon seit zwei Uhr auf sie, gekommen sind sie kurz vor vier. … Die Männer hantierten… herum, und jedes Mal, wenn sie einen Sessel oder ein Buch verschoben, zuckte ich zusammen. Nicht wegen der Dinge als solcher, sondern wegen des Schmutzes, der darunter war…”

Die Frau erzählt den Zuschauern ihre Geschichte, die sie gestern dem Fernsehen hätte erzählen sollen und die sie eben nicht hat erzählen können, weil die Vergangenheit noch zu sehr brennt an ihrer Seele. Und weil da der Schmutz ist, der sich um ihr Leben gehäuft hat, unwillkürlich wegen der Historie halt. Die Frau ist Jüdin. “Solo für eine Stimme” ist eine Lebensgeschichte des Unausgesprochenen oder eben des “Fast – Nicht – Aussprechbaren”. Und dennoch versucht sie es. Die Frau versucht genau zu sein in ihren Erinnerungen. Sie beklagt nichts, sie stellt fest. Zwischen der Figur und dem Publikum gibt es keine Distanz, es befinden sich alle im gleichen Boot.
“Solo für eine Stimme” ist die Metapher für die Suche nach Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Und es ist die Suche nach einer – im eigentlichen Sinn – verlorenen Zeit.